06.05.2021

#LocalHeroes | Bergknappe Hansi – Wasser als Lebenselixier

Ein Leben für Bergbau und Wasser

Jochberg hat mit dem Bergbau Kupferplatte den noch letzten aktiven Kupferbergbau Mitteleuropas.

Im Gespräch mit Johann „Hansi“ Grander erfahren wir, wie wichtig der Bergbau für die Entwicklung unserer Region war und was das Wasser dabei für eine Rolle spielt.

Bergbau ist mei Begeisterung - Wasser ist mei Leben!

Hansi Grander

Die Erzlagerstätten in der Region Kitzbühel waren seit jeher von großem bergmännischem Interesse. Einer der ältesten Kupferbergbaustätten in der Region ist die im Gebiet von Jochberg gelegene Kelchalm. In dem um 1000 vor Christus gegründeten Kupferbergbau suchte man nach Kupfer, gewann aber vorwiegend Kupferkies aus dem man Gebrauchsgegenstände, Schmuck und Werkzeuge anfertigte. Aus unbekannten Gründen wurden die Bergbautätigkeiten aufgegeben und erst im 15. Jahrhundert entdeckte man die Jochberger Erzlagerstätten wieder. Die vorwiegend abgebauten Fahlerze waren besonders wertvoll durch ihren hohen Kupfergehalt und Silberanteil. Die Hochblüte des Bergbaus war in der Region Kitzbühel im 15. Jahrhundert und ging dann bis in die 20iger Jahre des 19 Jahrhunderts.

 

Symbol der Bergwerke – Schlägel und Eisen gekreuzt.

Nach getaner Arbeit haben die Bergleute ihr Werkzeug – Schlägel und Eisen – gekreuzt auf den Boden gelegt.  

- Glück Auf - ist der Gruß der Bergleute, er beschreibt die Hoffnung der Bergleute, es mögen sich Erzgänge auftun.

Bergbau-Gruß

Das Wasser und der Bergbau haben sich schlecht verstanden. Wasser war wichtig für die Pochwerke und Brecher in Jochberg. Wasser im Bergstollen war aber der Feind der Bergleute. Die im 15. Jahrhundert entdeckte Stefanie-Quelle wurde aus diesem Grund relativ gut abgeschottet. Die Quelle haben die Bergleute damals dreimal versetzt und verbolzt, um sicher zu gehen, dass hier kein Wasser austritt.

 

Bergleute waren die Familie Grander aber nicht immer, erzählt uns Hansi Grander. Sein Großvater war wohl auf einem Bild der Bergknappen zu sehen. Erst im Jahr 1989 – beim Bergbau waren schon alle Tore geschlossen – war der Schatz im Berg, die Stefanie Quelle, ausschlaggebend für die Familie Grander, dieses Areal zu erwerben und richtige Bergleut„Gewerken“ – zu werden.

 

Aktuell sind im Bergwerk Kupferplatte 4 Bergknappen angestellt, die Kupfer mit den dafür vorgesehen Hunt-Wagen zutage bringen.

Die bäuerlichen Traditionen mit dem Bergbau haben Jochberg sehr geprägt.

Hansi Grander

Einzigartig macht das Bergwerk Kufperplatte aber nicht nur der noch aktive Kupferbergbau in den alten Stollen, sondern auch die Stefanie-Quelle. Die Region Kitzbühel liegt geologisch gesehen in der Grauwacken Zone, Schiefer ist ein sehr dichtes Material und in letzter Konsequenz ist das auch sehr gut für das Wasser. Das Wasser braucht 60 Jahre vom Abregnen bis es durch die mikrofeinen Risse herunter sickert und in der Stefanie-Quelle als sehr reines Quellwasser wieder ans Tageslicht kommt.

 

Grander Wasser: Was mit Johann Grander 1979 mit Versuchen in der Garage zu Hause begann, hat sich längst zu einer internationalen Marke entwickelt. Mit dem Kauf der Kupferplatte 1989 und damit dem Zugang zur eigenen Wasser Quelle war der Erfolg nicht mehr aufzuhalten. Das Wasser der Stefanie-Quelle fließt mit einem Liter pro Sekunde aus der Quelle und wird dann in Tanks durch das von Johann Grander entwickelte Verfahren belebt. Die markanten Grander Wasser Flaschen sind eine Sonderanfertigung, 250.000 Stück der leicht blauen Flaschen werden in Deutschland in ein bis zwei Stunden hergestellt und hüttenrein geliefert. Die Flaschen werden mit Grander Wasser ausgespült und abgefüllt, verpackt und sind dann fertig zum Verkauf.

Früher war Kupfer natürlich sehr, sehr wichtig und ist in die ganze Welt geschickt worden, jetzt ist es das Wasser.

Hansi Grander

Der gelernte Zimmerer Hansi Grander war immer schon begeisterter Helfer bei seinem Vater in der Garage.

 

Mit dem Erwerb des Bergwerks Kupferplatte wurde Hansi Grander 1989 neben seinem Vater Geschäftsführer bei Grander Wasser. Durch unermüdliche harte Arbeit ließ sich Hansi Grander zum „Werkmeister für die Betriebsführung eines untertägigen Bergbaus“ ausbilden, um das Bergwerk und Schaubergwerk als Betriebsleiter kompetent zu führen und zu entwickeln.

 

Seine Liebe zu alten Fahrzeugen und dem „Schrauben“ und „Tüfteln“ an ihnen zählt wohl zu einem seiner größten Hobbys.

Stolz sind wir überhaupt nit - nur dankbar.

Hansi Grander

Zum Schluss hat Hansi Grander noch einen Tipp für uns, um das Wasser in Jochberg auch oberirdisch zu besuchen: Der entschleunigende 10 km lange Jochberger 7-Brunnen-Weg.

Hansi Grander ist den 7-Brunnen-Weg schon etliche Male zu Fuß gegangen – aber lieber fährt er entlang der 7 Brunnen mit seinem Segway.

 

Bergbau Uniform Fakten:
Die obersten drei Knöpfe bleiben immer offen und die Jacke hat gesamt 29 Knöpfe.
Der Grund ist der Schutzpatron – die heilige Barbara. Der Überlieferung nach wurde die heilige Barbara im heute türkischen Izmit nach ihrem Wechsel zum christlichen Glauben von ihrem Vater in einem Turm gesperrt und mit nur 29 Jahren hingerichtet. Die drei obersten geöffneten Knöpfe sollen dabei an die Dreifaltigkeit erinnern. Die 29 Knöpfe stehen dafür, dass Barbara nur 29 Jahre alt wurde. Die heilige Barbara ist aber erst seit dem Einsatz von Schwarzpulver zur Heiligen der Bergleute geworden, davor war es die heilige Anna.

Einem Laien, der noch nie was von Grander Wasser gehört hat, würd ich sagen, probier's bitte aus, dann kannst dich selber überzeugen, was für eine tolle Sache das ist.

Hansi Grander

#LocalHeroes aus Kitzbühel

Es sind die Menschen, die Kitzbühel und seine Feriendörfer Reith, Aurach und Jochberg so besonders machen. Genau um diese Persönlichkeiten geht es in unserer „LocalHeroes“ Serie, in der die wahren Helden unserer Region ins Rampenlicht gerückt werden. Sie selbst würden sich nie als Helden bezeichnen, doch das sind sie: Denn nur durch ihre Leidenschaft für das, was sie tun, wird für uns alle das einzigartige Kitzbüheler Lebensgefühl erlebbar.