19.05.2020

Den Alltag für eine Weile vergessen

Bei Sabine fühlt man sich gleich wie zu Hause. In ihrem idyllischen Garten mit Blick auf die Bergwelt lässt sich bei frischem Bauernbrot der Alltag für eine Weile vergessen.

#LocalHeroes aus Kitzbühel 

Es sind die Menschen, die Kitzbühel und seine Feriendörfer Reith, Aurach und Jochberg so besonders machen. Genau um diese Persönlichkeiten geht es in unserer „LocalHeroes“ Serie, in der die wahren Helden unserer Region ins Rampenlicht gerückt werden. Sie selbst würden sich wahrscheinlich nie als Helden bezeichnen, doch das sind sie: Denn nur durch ihre Leidenschaft für das, was sie tun, wird für uns alle das einzigartige Kitzbüheler Lebensgefühl erlebbar.

 

So wie im Backhäusl von Sabine, hier gehen die Uhren langsamer. Ihr Brot bäckt sie nach altem Rezept jeden Mittwoch in einem traditionellen Holzofen.  

 

©Kitzbühel Tourismus - Sabine's Backhäusl in Aurach

©Kitzbühel Tourismus – Sabine’s Backhäusl in Aurach


Ein ganz besonderes Platz’l

Barfuß steht Sabine in ihrem Garten, wischt sich die Hände an der kurzen Lederhose ab und begrüßt ihre Gäste. Es sind Hände, die anpacken können. Den Rechen immer noch fest im Griff, zeigt die herzliche Gastgeberin auf Knollen, Blüten und Blätter im ihrem bunten Gemüsebeet. Alte Sorten wachsen neben Ringelblumen und Zitronenmelisse. Dahinter liegt das eigentliche Herzstück, der Holzofen. 

 

©Kitzbühel Tourismus - Der Holzofen, das Herzstück im Garten von Sabine

©Kitzbühel Tourismus – Der Holzofen, das Herzstück im Garten von Sabine


„Das ist nicht wie bei einem Elektroherd, den du auf 240 Grad einschaltest und weißt, dass es funktioniert“, erklärt Sabine. Von ihrer Großmutter hat sie gelernt, wie man in einem Holzofen nach altem Handwerk Brot bäckt. Jeden Mittwoch heizt sie den Ofen an und knetet ihren Teig. Konzentriert und Routiniert. Wenn der Ofen überall die richtige Temperatur hat, kommt die Glut heraus und das Brot hinein. 

 

©Florian Lechner - es duftet wunderbar das frische Brot!

©Florian Lechner – es duftet wunderbar das frische Brot!

Mehl, Wasser und Salz für’s Bauernbrot

An Brot war Sabine schon immer interessiert und eigentlich auch an allem, was mit früher zu tun hat. Wie an der Lebensweise oder der Arbeitsweise. „Früher wurde hart gearbeitet, aber es gab auch fixe Zeiten, in denen nicht gearbeitet wurde. Das kennt man heute nicht mehr“, erklärt sie. Am Abend auf der Bank sitzen, sich über einen produktiven Tag und viele kleine Dinge freuen – das ist etwas, das die selbstständige Gastgeberin in der hektischen Welt vermisst und in ihrer Backstube wieder verankert. 

Hier geht es um das überlieferte Brotrezept, die traditionelle Herstellung und den alten Ofen. Es geht aber auch um Gastfreundschaft und das Gefühl eine Zeit lang einfach nur frei zu haben. 

Mehl, Wasser und Salz. Mehr braucht es nicht für ein gutes Brot. Und Brotgewürz, also Fenchel, Kümmel, Anis und Koriander. Einfach, und doch unübertroffen: Ein Butterbrot mit Schnittlauch ist für Sabine ein königliches Mahl. Wenn sie Gäste bekommt, dann kocht sie aber auch richtig auf. Krustenbraten und Brandteigstrauben sind ihre Spezialität. Die große Pfanne mit den frisch zubereiteten Schmankerln kommt direkt auf den Tisch. Alle schöpfen selbst und greifen herzhaft zu. Dann wird freudig gegessen und getratscht. Im besten Fall bleibt auch das Handy in der Tasche. 

 

©Florian Lechner - die gemütliche Stube im Backhäusl von Sabine©Florian Lechner – die gemütliche Stube im Backhäusl von Sabine

Ich will mich nicht verbiegen

„Erfolg mag ich gar nicht“, erklärt Sabine und findet gleich ein Wort, das sich besser anfühlt: Zufriedenheit. Lange hat die emsige Gastgeberin nach einem Weg gesucht, um das, was sie gerne tut, zu ihrem Beruf zu machen. Ohne Bäckerlehre war es für die gelernte Floristin nicht einfach, ihren Traum zu verwirklichen. Zehn Jahre nach der ersten Idee war der Holzofen gebaut, die Jausenstation eröffnet und die erste kleine Gesellschaft saß bei ihr am Tisch. „Mir ist es dann fast zu schnell gegangen – ich war nicht drauf gefasst“, schaut Sabine heute zurück. Bald wurde ihr klar, dass die Leute das mögen: Das Normale, das Bodenständige.

„Es wär ein Blödsinn, wenn ich sag, ich möchte kein Geld verdienen, aber ich will mich nicht verbiegen. Ich möchte etwas tun, wo ich einen Sinn dahinter sehe“, erklärt Sabine. Nach Jahren in verschiedenen Gastronomiebetrieben hat sie in der Selbstständigkeit ihre Erfüllung gefunden. Wenn eine angemeldete Gruppe doch absagt, freut sie sich über einen freien Tag. Den verbringt sie am liebsten in den Bergen und mit ihrer Familie. 

 

©Florian Lechner - selbstgemachte Köstlichkeiten kommen bei Sabine auf den Tisch

©Florian Lechner – selbstgemachte Köstlichkeiten kommen bei Sabine auf den Tisch

Ein Gefühl wie zu Hause 

„Du kennst die Leute, du kennst die Gegend, du bist da aufgewachsen – du fühlst dich hier wohl.“ Heimat ist für Sabine besonders wichtig. Die Liebe zur Region Kitzbühel schlägt sich auch in der Auswahl der Produkte nieder, die sie im Backhaus verwendet. Was sie nicht selbst im Garten anbaut, holt sie von Bauern aus dem Dorf. Das Mehl kommt aus biologischer Landwirtschaft und wenn sie die einzelnen Bauern beim Namen nennen kann, ist das ein besonderes Qualitätsmerkmal für ihre Gäste. Vor allem die vielen Einheimischen, die bei ihr einkehren, schätzen diese Regionalität

Die Zeit vergeht dann doch wie im Flug. Nach ein paar Stunden in Sabines idyllischer kleiner Welt geht es wieder nach Hause. Viele gehen aber als Freunde und sind sich sicher, dass sie wiederkommen werden. 

Wir bedanken uns herzlich für die Zeilen und Bilder welche uns von BEST OF THE ALPS zur Verfügung gestellt wurden.  

Dieser Artikel ist ursprünglich in einer längeren Version bei Best of the Alps erschienen.

Text: Elisa Heißenberger // friendship.is
Bilder: Florian Lechner // friendship.is 

 

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