25.10.2016 | Sport & Freizeit

Ein Leben ohne Berge – unvorstellbar!

Entlang der Streif

Mitte Oktober besuchte uns der Osttiroler Bergsteiger Andreas "Andy" Holzer im Rahmen eines Fotoshootings für seinen Partner Dachstein in Kitzbühel. Eine Wanderung über die Streif soll es sein. Grundsätzlich nicht allzu schwierig, trotzdem war es für unseren Wanderführer Engelbert, der hier mit dabei war, ein mehr als beeindruckendes Erlebnis. 

Andy ist von Geburt an blind. Trotzdem erobert er die Bergwelt. Über 200 Tage im Jahr verbringt er im Gebirge, ob beim Klettern oder Wandern. Unser Wanderführer Engelbert erzählt mit seinen eigenen Worten von einer ganz besonderen Wanderung über die Streif. Andreas "Andy" Holzer ist 1966 in Lienz geboren. Nach den Pflichtschuljahren machte er eine Ausbildung zum Heilmasseur und Heilbademeister. Wenn Andy nicht gerade die Berge besteigt, ist er auch leidenschaftlicher Musiker. 

Die Streif erklimmen

Andy und ich die Streif erklimmen - dies war die Aufgabe! Was ist die Motivation und Herausforderung für einen Extremsportler, wie er einer ist, frage ich mich. Ich kannte Andy bereits von früher und hatte auch schon intensive Gespräche mit ihm. Bei den Goinger Bergfilmen z.B. vor über 10 Jahren. Ich war damals schon sehr von seinen Leistungen am Berg und seinem stets positivem Denken beeindruckt. 

Für mich hat sich Andy in all den Jahren kaum verändert - seine mentale Stärke hat zugenommen und sein Fortbewegen, ohne zu sehen, wie wir, ist noch sicherer. Fast unheimlich wie selbstverständlich er sich im Gelände bewegt. 

Es läuft wie am Schnürchen

"Andy, was möchtest du heute bzw. was erwartest Du?" fragte ich ihn. "Na, die Streif bergauf, ist ja die wildeste Abfahrt im Weltcup und die möchte ich nun mit meinen Füßen erfahren und kennenlernen und Du hilfst mir dabei." antwortete mir Andy voller Tatendrang. "Ja klar und wie kann ich dir behilflich sein?" fragte ich aufgeregt nach. "Du gehst voraus und ich halte mich an deinem Rucksack fest und über deine Bewegungen weiß ich, wohin ich steigen muss" meinte Andy selbstbewusst. Gesagt, getan!

Ob das gut geht, fragte ich mich? Nach kurzer Zeit wusste ich es. Es lief wie am Schnürchen. "Kannst ruhig schneller gehen, Du musst nicht so schleichen", amüsierte sich Andy. 

Zuhören am Berg

Als wir am  schnellsten  Streckenabschnitt der Streif standen, ließ sich mein Begleiter alles genau erklären und tastete mit den Wanderstöcken die Steilheit nach allen Seiten ab. “Ok, da haben die Jungs schon was zu leisten” sagte Andy beeindruckt.  „Ach ja, nun ist es ruhig genug. Ich folge Dir nun mittels meines Gehörs, ich kann genau unterscheiden wohin du gehst. Ich kenne nun dein Gehverhalten. Sag mir die Himmelsrichtungen an und wenn ein hoher Absatz kommt, gib kurz Bescheid. Falls ich zu knapp am Rande gehe, sodass ich Abstürzen könnte, gib mir mit den Stöcken ein  Klopfzeichen“. Nach diesen Anweisungen von Andy lief alles perfekt, bald waren wir wunderbar aufeinander abgestimmt. Wir konnten uns während der gemeinsamen Wanderung sogar noch unterhalten. 

Mausefalle, Lärchenschuss, Seidlalmsprung

Bei der Hausbergkante, wollten wir nun, die Linie der Rennstrecke  gehen. Andy wollte ganz genau üben den Streckenverlauf Bescheid wissen. Da kam mir eine Idee, ich nahm Andys Arme stellte mich hinter ihm, nun fuhren wir mittels Armbewegungen die Streckenabschnitte ab. Andy war begeistert, jetzt konnte er sich sein Bild über die berühmteste Rennstrecke der Welt machen.

Wir strahlten beide, weil es richtig Spaß machte! Dies wurde nun bis zum Schluss praktiziert. Lärchenschuss, Seidlalmsprung, Alte Schneise, Gschöss, Steilhang, Mausefalle und Starthang wurde auf der Rennlinie begangen. „Hut ab von den Jungs die hier runter fahren“ meinte Andy voll beeindruckt.

Große Bewunderung

Andy hat auf seine Art und Weise die Streif kennengelernt und ich durfte eine andere Art des Sehens kennenlernen. Ich bewundere ihn, wie er durch hartes Training seine Sinne geschult hat um solche Herausforderungen in den Bergen meistern zu können. Ich ziehe meinen Hut!

Im Winter treffen wir uns wieder und dann geht´s mit Skiern die Streif bergab. Auf diesen ganz besonderen Skitag freue ich mich jetzt schon!

Ich wünsche Andy bei allen seinen Vorhaben in den Bergen alles, alles Gute und komm immer wieder gut herunter! Großen Dank auch bei Andys Frau Sabine die zugleich auch sein Manager ist. Ohne sie könnte er nicht so hoch hinaus, wie er mir erzählte.  Berg Heil, euer Engelbert!

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